LZ 20.12.07
Eine Eins für die Schüler, eine Zwei für die Werre
Jugendliche stellten Ergebnisse einer Untersuchung vor
Lage (be). Dafür gibts eine Eins - und zwar eine ganz dicke. Biologielehrer Wolfgang Somsen bereitete den Jugendlichen aus den Jahrgangsstufe 9 a und 9 b, die gestern Morgen in der Freiligrath-Realschule die Ergebnisse der jüngsten Werre-Untersuchung präsentierten, mit der ihm sichtlich leicht fallenden Entscheidung eine kleine vorweihnachtliche Überraschung.
Ihr Einsatz lohnte sich: Sören Fichna, Eric Möller, Zaeemjan Barakzai, Verena Kochsiek und Lena Schüler präsentierten Lehrer Wolfgang Somsen (links) und Joachim Gesch (rechts) vom Werre-Wasserverband gestern Morgen die Ergebnisse der Gewässer-Untersuchung.Foto: Becker
Denn bis zu dem Zeitpunkt ihrer Vorstellung wussten Sören Fichna, Eric Möller, Zaeemjan Barakzai, Verena Kochsiek und Lena Schüler noch nicht, dass sie einen derart fundierten Bericht abgegeben hatten, der mit der besagten Zensur prämiert wurde. Im Vergleich zu den Resultaten aus dem vergangenen Jahr lassen die jetzt gewonnenen Erkenntnisse den Schluss zu, dass die Wasserqualität der Werre geringfügig schlechter geworden ist und das Prädikat "Güteklasse zwei" erhält. "Wir stellten in dem Mess-Zeitraum eine höhere Nitrat-Belastung als früher fest", fasste Wolfgang Somsen zusammen.
Die Werre habe sich in dem untersuchten Abschnitt verschlammter als üblich gezeigt, was sich auch mit den Beobachtungen der Bezirksregierung decke. Vermutlich hänge dies mit der landwirtschaftlichen Nutzung von Flächen zusammen, die sich direkt am Fluss befinden. "Schlamm nimmt Fischen die Brutmöglichkeit, weil der Sauerstoffgehalt zurückgeht", sagte der Biologielehrer. Der gegenüber den Messungen der Vorjahre verzeichnete Anstieg der Stickstoffbelastung hänge, so Somsen, eventuell mit der Aufbringung von Gülle auf die Äcker zusammen. Von dort werde der Dünger vom Regen in den Fluss gespült.
Insgesamt betrachtet ist die Wasserqualität aber so gut, dass sich darin lebende Tiere recht wohl fühlen. An den vier Messpunkten entdeckten die Schülerinnen und Schüler 39 Lebewesen, darunter drei Groppen, die als Indikator für sauberes Wasser gelten. Außerdem fanden sich im Wasser noch Bachflohkrebse und Köcherfliegen. "Auf Grund der Wasserqualität könnte der Lachs in der Werre heimisch werden", so das Fazit von Verena Kochsiek. Allerdings störten viele andere Faktoren die eventuelle Einbürgerung. Einer dieser Faktoren sei zum Beispiel die Fischtreppe vor der Zuckerfabrik. Diese sei viel zu klein, denn der Lachs kann eine Größe von 1,50 Metern erreichen. Würde die Fischtreppe dem Lachs angepasst, so stünde der Einbürgerung nichts im Wege. Denn auch die geforderte Bodenstruktur des Flusses sei in der Werre erfüllt.
Angetan von den Forschungsergebnissen der jungen Leute zeigte sich auch Joachim Gesch, Geschäftsführer des Werre-Wasserverbandes, der zu der Präsentation eigens aus Herford angereist kam. "Die Werre für Lachse wieder attraktiver zu gestalten, ist unser Bestreben. Wenn das Thema Gewässerqualität auf eine solch fundierte Weise wie hier im Unterricht behandelt wird, dann freue ich mich", sagte der Geschäftsführer beeindruckt. An dem Wettbewerb "Jugend forscht" im nächsten Jahr wollen sich die Realschüler mit einer Arbeit über "Lachse in der Werre" beteiligen. Dabei will Gesch Hilfestellung leisten.
Lippische Landeszeitung, 20.12.2007

