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2011-07-23 LZ

Schüler üben sich im Erziehen

Jugendliche absolvieren in ihrer Freizeit Sozialpraktika in verschiedenen Einrichtungen

Beliebte Praktikanten:Die Realschüler Jasmin Botkovic, Julia Wrede und Nils Petersmeier (von links) spielen hier in der Lagenser Kita "Villa Kunterbunt" mit Anna (links) und Emily. FOTO: CASTRUP

Von Sandra Castrup
Statt ihr Sozialverhalten mit Trockenübungen im Klassenzimmer zu trainieren, haben Achtklässler der Realschule in sozialen Einrichtungen gearbeitet. Mindestens 20 Stunden.
In ihrer Freizeit.

Lage. Kindertagesstätten, Alten- und Pflegeheime, Jugendzentren, Kirchengemeinden – das Spektrum der Angebote ist groß, in denen ein Sozial-Praktikum machbar ist. „Wir wollen den Schülern die Möglichkeiten zum zwanglosen Ausprobieren geben“, erläuterte Schulleiter Christian Garrell.
Die Praktikanten hatten sich eigenständig um die Aufnahme in ihre Wunsch-Einrichtungen gekümmert und sich dort mit viel Engagement eingebracht. „Es gibt so viele kranke Menschen, mit denen man Spaß haben kann“, zitierte die Projekt begleitende Schulsozialarbeiterin Gudula Ebeling einen Schüler. Sie zeigte sich auch erfreut über die zahlreichen Jungen, die mit Kindern arbeiten wollen. „Hier besteht schließlich eine große Nachfrage nach männlichem Personal.“
Nils Petersmeier kann das bestätigen. „Besonders die Jungs haben mich in der Bau- Ecke in Beschlag genommen und wollten draußen mit mir Fußball spielen“, erinnert sich der 16-Jährige gerne an seine Zeit in der Kita Kachtenhausen. Es habe viel Spaß gemacht in diesen Beruf hineinzuschnuppern, doch seine Tendenz gehe nach wie vor eher Richtung Kfz-Mechatroniker. Auch Julia Wrede und Jasmin Botkovic wollen sich beruflich noch nicht festlegen. Die beiden 14-Jährigen haben ebenfalls Kita-Luft geschnuppert und können nur Positives berichten. „Am ersten Tag habe ich alles beobachtet, am zweiten Tag kamen die Kinder schon auf mich zugestürmt“, lacht Jasmin.
Der rege Erfahrungsaustausch und das positive Feedback von Schülern wie auch Arbeitgebern hat die Schulleitung ermutigt, diesem ersten Sozialpraktikum weitere folgen zu lassen. „Wir werden künftig im Unterricht gezielt versuchen, für die Arbeit mit Senioren Hemmschwellen abzubauen“, so Konrektorin Tanja Bienert. Denn: In Alten- und Pflegeheime hatte sich nur eine kleine Gruppe getraut.

LZ, 23./24.07.2011